Beobachtung

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Die wissenschaftliche Beobachtung ist neben der Inhaltsanalyse und der Befragung die dritte wichtige Datenerhebungsmethode der Sozialwissenschaften (das Experiment, das oft ebenfalls zu den Methoden gezählt wird, ist eigentlich ein Forschungsdesign).

Die wissenschaftliche Beobachtung unterscheidet sich von der Alltagsbeobachtung dadurch, daß sie systematisch durchgeführt wird, anhand eines Beobachtungsplans, der auf die Ziele (Forschungsfragen, Hypothesen) einer empirischen Untersuchung hin ausgelegt ist.

Inhaltsverzeichnis

Einsatzgebiete

Die Beobachtung kommt zum Einsatz, wenn Inhaltsanalyse oder Befragung nicht geeignet sind, sozialwissenschaftliche Daten zu gewinnen (Bortz/Döring 1995: 240):

  • wenn verbale Darstellungen die interessierenden Merkmale verfälscht oder unzureichend darstellen.
  • wenn die Untersuchungssituation (Befragungssituation, Laborexperiment) die Datenerhebung stören (diskrete Beobachtung)
  • für explorative Zwecke, wenn für eine Befragung noch zu wenige Informationen über ein Forschungsgebiet bekannt sind
  • wenn Daten (z.B. über Mimik und Gestik) gebraucht werden, die anders als durch Beobachtung nicht zu ermitteln sind.

Die Beobachtung kann auch als Hilfsmethode in Befragungen (Interviewerbeobachtung) oder bei Experimenten (Beobachten der Reaktion der Versuchspersonen auf einen Stimulus) genutzt werden.

Beobachtungsformen

  • Teilnehmende Beobachtung. Die Beobachter sind Teil des Geschehens, das sie beobachten.
  • Nicht-teilnehmende Beobachtung. Die Beobachter stehen außerhalb des Geschehens, das sie beobachten.
  • Offen. Den Beobachteten ist bekannt, daß sie von Wissenschaftlern beobachtet werden
  • Verdeckt. Den Beobachteten ist nicht bekannt, daß sie von Wissenschaftlern beobachtet werden.

Diese Beobachtungsformen (Bortz/Döring: 245; Schnell/Hill/Esser: 359) können in Kombinationen vorkommen. Verdeckte Beobachtungen können ethisch problematisch sein, weil es sich eigentlich nicht gehört, Leute ohne ihr Wissen zu beobachten und daraus (wissenschaftliches) Kapital zu schlagen. Bei der offenen, teilnehmenden Beobachtung kann dagegen die Anwesenheit der Beobachter die zu beobachtende Situation beeinflussen und die Validität der Ergebnisse beeinflussen.

Anwendungsfelder in der Kommunikationswissenschaft

In der Kommunikationswissenschaft ist die Beobachtung bei weitem nicht so bedeutend wie Inhaltsanalyse und Befragung. Sie kommt allerdings recht häufig bei Redaktionsstudien zum Einsatz, wenn die Arbeit von Journalisten beobachtet wird (Esser 1998). Auch das Verhalten von Medienkonsumenten (z.B. Fernsehzuschauern) wurde durch Beobachtungsstudien erforscht. Neuerdings haben Formen der automatischen Beobachtung (z.B. des Fernsehverhaltens durch das GFK-Panel, oder der Internetnutzung durch Logfile-Analysen) an Bedeutung gewonnen.

Literatur

  • Bortz, Jürgen / Döring, Nicola (1995): Forschungsmethoden und Evaluation. Berlin u.a.: Springer.
  • Schnell, Rainer / Paul B. Hill / Esser, Elke (1999): Methoden der empirischen Sozialforschung. München, Wien: Oldenbourg.
  • Esser, Frank (1998): Die Kräfte hinter den Schlagzeilen. Freiburg, München: Alber.
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